Als ich ein Kind war, lebten alle meine Freunde in einer heilen Familie mit verheirateten Eltern. Nur ein einziges Mädchen in meiner Klasse lebte mit seiner Mutter allein. Ich erinnere mich genau, denn bei Janine war alles anders: Die Wohnung war kleiner, ihr Mutter nie da, weil sie arbeiten musste und der Vater kam nur am Geburtstag vorbei und blieb ein Fremder.
Keine Frage, was meine Freunde und ich später für ein Leben führen würden: Eine Familie und Kinder, alle unter einem Dach und in den Ferien fuhren alle zusammen im großen Auto. Das war klar, das war selbstverständlich.
Vielleicht haben wir's zu selbstverständlich genommen– denn 30 Jahre später ist alles ganz anders. Zumindest in den deutschen Großständten, z.B. in Berlin, in der deutschen Hauptstadt, in der ich lebe. Da ist Janine nämlich heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Darum spricht man in Hamburg und München inzwischen auch schon von“Berliner Ehe”, denn bei uns wird jede zweite Ehe geschieden und jede dritte Mutter gilt als alleinerziehend. Und auch immer mehr Väter leben inzwischen – zumindest teilzeit – alleinerziehend mit ihren Kindern.
Wie konnte meinen Freunden und mir das bloß passieren? Was hatten wir falsch gemacht? Oder waren wir einfach erwachsen geworden und hatten gesehen, was Alltag bedeuten kann.
Hatten wir uns damals was vor gemacht? Oder unsere Eltern uns? Wollten wir dann doch keine Familie? War sie doch nicht so heil, wie wir immer dachten? Oder waren wir – mal Hand aufs Herz - einfach zu doof, zu verwöhnt, zu selbstmitleidig sie hinzubekommen?
Noch ehe ich mir selbst darüber ein klares Bild machen konnte, rutschte ich mittenrein: Verliebt, dann schwanger – und Hals-über-Kopf wieder verlassen. Nicht verlobt, nicht verheiratet, noch nicht einmal befreundet.
Plumps, da saß ich nun plötzlich doch in dieser Janine-Welt. War ungeplant Teil dieser humpelnde Halb-Familien-Welt, dieses Patchwork-Universums geworden. Dieser crazy Welt in der Vater und Mutter zwar Eltern, aber kein Paar sind. In der sie nicht gemeinsam verdienen, sondern unabhängig voneinander. In der man nicht unter einem Dach, sondern in getrennten Wohnungen/Bezirken/Städten/Ländern lebt, mit dem Kind dazwischen. In der SIE einen neuen Freund, ER eine neue Frau, ein neues Auto, eine neues Hobby und ein neues Haus hat - oder in dem einer weiter in dem alten lebt, der Kinder zuliebe. In der man neue Kinder mit dem neuen Mann hat, oder diese Kinder aus vorherigen Beziehungen mitbringen, in der man den Hund des Ex-Freundes behalten und jetzt auch noch die Katze der Ex-Frau des neuen Mannes teilt.
Mmh.... Zurück gab es nicht. Nun hieß es umdenken. Akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste daraus machen. Da waren wir nun: Mein wundervoller Sohn und ich, seine Mama!
Ach, ja, und der Papa...
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