Sind wir heute einfach selbständiger, flexibler, neugieriger aber auch kritischer, ängstlicher, egoistischer und gesellschaftlich verantwortungsloser?
Fakt ist: Das klassische Familienmodell, also Vater-Mutter-Kind (in dieser Reihenfolge) ist nicht mehr die Norm, sondern eher eine Möglichkeit von vielen. Zumindest in den europäischen Großstädten wächst die Zahl der Alleinerziehenden stetig. In Berlin ist bereits jede dritte Mutter alleinerziehend.
In zehntausend Jahre alter Menschheitsgeschichte erprobt, in jüngster Zeit auch mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen, ist die Familie die geeignetste Struktur, um den höchsten Standard für Nachwuchs, die persönliche Altersvorsorge, die finanzielle Sicherheit und den privaten Glückspegel zu gewährleisten – dennoch überzeugt uns das nicht, es muss also irgendwas geben, was uns abhält. Was ist das bloß? Die Freiheit vielleicht? Die Angst vor dem Erwachsenwerden? Sind wir zu blöd? zu ängstlich? Is die Angst vor der Verantwortung killing den Fortpflanzungstrieb?
Als ich klein war, lebten alle meine Freunde in heilen Familie. Nur ein einziges Mädchen in meiner Klasse lebte mit seiner Mutter allein. Bei ihr war alles anders: Die Wohnung kleiner, ihre Mutter nie da und der Vater war fast ein Fremder. Für uns war klar, was wir später für ein Leben wollten: Mutter-Vater-Kind - natürlich alle unter einem Dach! Und nun steh ich hier, alleinerziehend, wie so viele. Da stellt sich mir die Frage: Wie sind wir da bloß hineingeraten?
Freitag, 30. Dezember 2011
Entweiblichung?
Ich bin dieses unsolidarische Verhalten innerhalb der Familien leid! Wieso greift man sich nicht gegenseitig unter die Arme, sondern ist auch noch fies zu einander? Was ist da in den letzten Jahren schief gelaufen? Was läuft in den Familien verkehrt?
Meine Freundin V. schrieb mir dazu folgende erhellende Email:
"...ich glaube man muss ein dickes Fell entwickeln und es einfach ignorieren und es nicht an sich ranlassen. Die üblichen anstrengenden Hausarbeiten ohne Dankbarkeit im Vorbeigehen erledigen und niemals ein Danke oder ähnliches Erwarten, das haben unsere Mütter auch so gemacht. Denn der FAKT IST: ES HAT SICH NICHTS GEAENDERT. ICH GLAUBE ES GAB KEINE EMANZIPATION DER FRAU! Eher das Gegenteil eine Distanzierung der Frau von den Männern und eine Entweiblichung, was in meinem Begriff nichts mit Emanzipation zu tun hat...
Man muss eine Rolle haben die passt, und zwar zu einer Gemeinschaft und Gesellschaft in der wir leben, das haben wir alle gar nicht. Wir "Mädels" beschweren uns nur und jammern was das Zeug hält und das unabhaengig von der finanziellen Situation die ja bei uns allen sehr unterschiedlich und weniger schwer und leicht ist, aber das Rollenproblem haben wir alle und alle Frauen die ich kenne... Wir sind hin- und hergerissen zwischen den Rollen vom Muttersein und vom Dudelleben und der Fantasie im Kostuem im Lufthansa-Businessjet sitzend. wie sollen die Übergänge funktionieren? Mal hü mal hott? Und dann die tüdeligen Großmütter/Mütter, die auch keinen Rat haben, außer zu sagen, in ihrer Generation hätten es Frauen als Mütter einfacher gehabt."
Meine Freundin V. schrieb mir dazu folgende erhellende Email:
"...ich glaube man muss ein dickes Fell entwickeln und es einfach ignorieren und es nicht an sich ranlassen. Die üblichen anstrengenden Hausarbeiten ohne Dankbarkeit im Vorbeigehen erledigen und niemals ein Danke oder ähnliches Erwarten, das haben unsere Mütter auch so gemacht. Denn der FAKT IST: ES HAT SICH NICHTS GEAENDERT. ICH GLAUBE ES GAB KEINE EMANZIPATION DER FRAU! Eher das Gegenteil eine Distanzierung der Frau von den Männern und eine Entweiblichung, was in meinem Begriff nichts mit Emanzipation zu tun hat...
Man muss eine Rolle haben die passt, und zwar zu einer Gemeinschaft und Gesellschaft in der wir leben, das haben wir alle gar nicht. Wir "Mädels" beschweren uns nur und jammern was das Zeug hält und das unabhaengig von der finanziellen Situation die ja bei uns allen sehr unterschiedlich und weniger schwer und leicht ist, aber das Rollenproblem haben wir alle und alle Frauen die ich kenne... Wir sind hin- und hergerissen zwischen den Rollen vom Muttersein und vom Dudelleben und der Fantasie im Kostuem im Lufthansa-Businessjet sitzend. wie sollen die Übergänge funktionieren? Mal hü mal hott? Und dann die tüdeligen Großmütter/Mütter, die auch keinen Rat haben, außer zu sagen, in ihrer Generation hätten es Frauen als Mütter einfacher gehabt."
Montag, 26. Dezember 2011
Familienschoner
Haben uns unsere Eltern als Kinder an der Nase herumgeführt? Haben Sie uns die heile Familie bloß vorgespielt? Haben Sie sich hinter den Kulissen ständig gezankt, angekeift und waren verbiestert und frustriert, sich aber nichts anmerken lassen? Warum halten denn unsere Beziehungen heute nicht mehr so lange, wie in der Generation unserer Eltern, Großeltern? Oder haben Sie ihre Ehen etwas geschönt, um uns zu schonen?
Meine Freundin S. führte eine Reihe von Beziehungen, die sie stets nach kürzerer oder längerer Zeit wieder beendete. Der Grund war stets: Streitigkeiten. So etwas kannte sie nicht von ihren Eltern, für sie stand daher fest, wenn man sich streitet, hat die Beziehung keine Qualität.
Irgendwann fragte S. ihre Eltern: "Sagt mal, wie habt ihr das eigentlich hinbekommen, dass ihr euch nie streitet?" Die Eltern waren überrascht: "Natürlich haben wir gestritten. Ordentlich. Allerdings nie vor euch, wir haben immer gewartet, bis ihr im Bett gewesen seid."
Das meine ich. s.o.
Meine Freundin S. führte eine Reihe von Beziehungen, die sie stets nach kürzerer oder längerer Zeit wieder beendete. Der Grund war stets: Streitigkeiten. So etwas kannte sie nicht von ihren Eltern, für sie stand daher fest, wenn man sich streitet, hat die Beziehung keine Qualität.
Irgendwann fragte S. ihre Eltern: "Sagt mal, wie habt ihr das eigentlich hinbekommen, dass ihr euch nie streitet?" Die Eltern waren überrascht: "Natürlich haben wir gestritten. Ordentlich. Allerdings nie vor euch, wir haben immer gewartet, bis ihr im Bett gewesen seid."
Das meine ich. s.o.
Willkommen im Patchwork-Universum
Als ich ein Kind war, lebten alle meine Freunde in einer heilen Familie mit verheirateten Eltern. Nur ein einziges Mädchen in meiner Klasse lebte mit seiner Mutter allein. Ich erinnere mich genau, denn bei Janine war alles anders: Die Wohnung war kleiner, ihr Mutter nie da, weil sie arbeiten musste und der Vater kam nur am Geburtstag vorbei und blieb ein Fremder.
Keine Frage, was meine Freunde und ich später für ein Leben führen würden: Eine Familie und Kinder, alle unter einem Dach und in den Ferien fuhren alle zusammen im großen Auto. Das war klar, das war selbstverständlich.
Vielleicht haben wir's zu selbstverständlich genommen– denn 30 Jahre später ist alles ganz anders. Zumindest in den deutschen Großständten, z.B. in Berlin, in der deutschen Hauptstadt, in der ich lebe. Da ist Janine nämlich heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Darum spricht man in Hamburg und München inzwischen auch schon von“Berliner Ehe”, denn bei uns wird jede zweite Ehe geschieden und jede dritte Mutter gilt als alleinerziehend. Und auch immer mehr Väter leben inzwischen – zumindest teilzeit – alleinerziehend mit ihren Kindern.
Wie konnte meinen Freunden und mir das bloß passieren? Was hatten wir falsch gemacht? Oder waren wir einfach erwachsen geworden und hatten gesehen, was Alltag bedeuten kann.
Hatten wir uns damals was vor gemacht? Oder unsere Eltern uns? Wollten wir dann doch keine Familie? War sie doch nicht so heil, wie wir immer dachten? Oder waren wir – mal Hand aufs Herz - einfach zu doof, zu verwöhnt, zu selbstmitleidig sie hinzubekommen?
Noch ehe ich mir selbst darüber ein klares Bild machen konnte, rutschte ich mittenrein: Verliebt, dann schwanger – und Hals-über-Kopf wieder verlassen. Nicht verlobt, nicht verheiratet, noch nicht einmal befreundet.
Plumps, da saß ich nun plötzlich doch in dieser Janine-Welt. War ungeplant Teil dieser humpelnde Halb-Familien-Welt, dieses Patchwork-Universums geworden. Dieser crazy Welt in der Vater und Mutter zwar Eltern, aber kein Paar sind. In der sie nicht gemeinsam verdienen, sondern unabhängig voneinander. In der man nicht unter einem Dach, sondern in getrennten Wohnungen/Bezirken/Städten/Ländern lebt, mit dem Kind dazwischen. In der SIE einen neuen Freund, ER eine neue Frau, ein neues Auto, eine neues Hobby und ein neues Haus hat - oder in dem einer weiter in dem alten lebt, der Kinder zuliebe. In der man neue Kinder mit dem neuen Mann hat, oder diese Kinder aus vorherigen Beziehungen mitbringen, in der man den Hund des Ex-Freundes behalten und jetzt auch noch die Katze der Ex-Frau des neuen Mannes teilt.
Mmh.... Zurück gab es nicht. Nun hieß es umdenken. Akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste daraus machen. Da waren wir nun: Mein wundervoller Sohn und ich, seine Mama!
Ach, ja, und der Papa...
Keine Frage, was meine Freunde und ich später für ein Leben führen würden: Eine Familie und Kinder, alle unter einem Dach und in den Ferien fuhren alle zusammen im großen Auto. Das war klar, das war selbstverständlich.
Vielleicht haben wir's zu selbstverständlich genommen– denn 30 Jahre später ist alles ganz anders. Zumindest in den deutschen Großständten, z.B. in Berlin, in der deutschen Hauptstadt, in der ich lebe. Da ist Janine nämlich heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Darum spricht man in Hamburg und München inzwischen auch schon von“Berliner Ehe”, denn bei uns wird jede zweite Ehe geschieden und jede dritte Mutter gilt als alleinerziehend. Und auch immer mehr Väter leben inzwischen – zumindest teilzeit – alleinerziehend mit ihren Kindern.
Wie konnte meinen Freunden und mir das bloß passieren? Was hatten wir falsch gemacht? Oder waren wir einfach erwachsen geworden und hatten gesehen, was Alltag bedeuten kann.
Hatten wir uns damals was vor gemacht? Oder unsere Eltern uns? Wollten wir dann doch keine Familie? War sie doch nicht so heil, wie wir immer dachten? Oder waren wir – mal Hand aufs Herz - einfach zu doof, zu verwöhnt, zu selbstmitleidig sie hinzubekommen?
Noch ehe ich mir selbst darüber ein klares Bild machen konnte, rutschte ich mittenrein: Verliebt, dann schwanger – und Hals-über-Kopf wieder verlassen. Nicht verlobt, nicht verheiratet, noch nicht einmal befreundet.
Plumps, da saß ich nun plötzlich doch in dieser Janine-Welt. War ungeplant Teil dieser humpelnde Halb-Familien-Welt, dieses Patchwork-Universums geworden. Dieser crazy Welt in der Vater und Mutter zwar Eltern, aber kein Paar sind. In der sie nicht gemeinsam verdienen, sondern unabhängig voneinander. In der man nicht unter einem Dach, sondern in getrennten Wohnungen/Bezirken/Städten/Ländern lebt, mit dem Kind dazwischen. In der SIE einen neuen Freund, ER eine neue Frau, ein neues Auto, eine neues Hobby und ein neues Haus hat - oder in dem einer weiter in dem alten lebt, der Kinder zuliebe. In der man neue Kinder mit dem neuen Mann hat, oder diese Kinder aus vorherigen Beziehungen mitbringen, in der man den Hund des Ex-Freundes behalten und jetzt auch noch die Katze der Ex-Frau des neuen Mannes teilt.
Mmh.... Zurück gab es nicht. Nun hieß es umdenken. Akzeptieren, was man nicht ändern kann und das Beste daraus machen. Da waren wir nun: Mein wundervoller Sohn und ich, seine Mama!
Ach, ja, und der Papa...
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